1.7.14: Liquiditätsplanung als Instrument der Unternehmensführung

Jürgen Haas - 01.07.2014

Die Liquiditätsplanung ist ein wichtiges Instrument zur Unternehmensführung. Die kurz- und mittelfristige Zahlungsfähigkeit sollte möglichst genau geplant und gesteuert werden, damit existenzbedrohende Engpässe im Unternehmen vermieden werden können.

Dazu ein Beispiel:

Ein Unternehmer kalkuliert, dass im laufenden Monat Gehälter, Material, Mieten und sonstige betriebliche Aufwendungen mit einem Betrag von insgesamt ca. 35.000 Euro bezahlt werden müssen. Im gleichen Zeitraum werden Zahlungseingänge von ca. 39.000 Euro erwartet. Der Unternehmer macht sich keine Gedanken über einen eventuellen Zahlungsengpass, da bei seiner Bank noch eine Kreditlinie von 10.000 Euro besteht. Allerdings hat er nicht bedacht, dass im selben Monat noch eine Steuervorauszahlung in Höhe von 10.000 Euro fällig ist und außerdem Tilgungszahlungen in Höhe von 5.500 Euro für bestehende Darlehen anfallen.

Dadurch entstehen dem Unternehmer zum einen unnötige Kosten für Kreditzinsen (10.000 Euro Kreditlinie bei ca. 10,5% Zinsen für einen Monat 87,50 Euro,

und zum anderen überzieht er auch seine Kreditlinie (für 1.500 Euro bei ca. 17% Überziehungszinsen für einen Monat 22 Euro, d.h. insgesamt ca. 110 Euro). Des Weiteren wirkt sich die nicht genehmigte Überziehung negativ auf das Rating des Unternehmens aus, da er die Bank nicht im Vorfeld über einen kurzfristigen Zahlungsengpass informiert hat.

Mit Hilfe einer Liquiditätsplanung, in der alle voraussichtlichen Zahlungsströme abgebildet werden, können Sie sicher stellen, dass Sie ständig den Überblick haben, wie es um die Zahlungsfähigkeit in ihrem Unternehmen bestellt ist und wie sich entwickeln wird.

Eine Liquiditätsplanung versetzt den Unternehmer in die Lage, frühzeitig Zahlungsengpässe zu erkennen und in Ruhe Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

Die Liquiditätsplanung sollte möglichst für den Zeitraum von einem Jahr erstellt werden. Weiter sollte die Liquiditätsplanung monatlich überarbeitet und überprüft werden, damit unregelmäßige Ein- und Auszahlungen (wie z.B. Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Versicherungsbeiträge oder Steuervorauszahlungen) frühzeitig erkannt und berücksichtigt werden können.
Ergänzend zur Liquiditätsplanung und Sicherstellung der jederzeit möglichen  Zahlungsfähigkeit des Unternehmens, sind auch nachfolgend aufgeführte Maßnahmen zur Liquiditätsverbesserung wichtig und sollten in den Unternehmen überprüft und umgesetzt werden:

  • Rechnungsstellung unmittelbar im Anschluss an die erbrachte Leistung.
  • Konsequentes Mahnen bei Zahlungsverzug (Vorgehen im Einzelfall mit Fingerspitzengefühl, bei Kunden, welche in der Regel pünktlich zahlen).
  • Leasen oder Mieten statt Kaufen von Anlagegütern.
  • Umsetzung von Kostensenkungsmaßnahmen.
  • Bei hohen Forderungsbeständen Verkauf der Forderungen (Factoring).
  • Verschiebung oder Aussetzung von Investitionen oder anderen größeren Anschaffungen.
  • Umwandlung kurzfristiger Kredite in langfristige.