6.7.12: Basel III und die Auswirkungen auf den Mittelstand

Kaum sind die Änderungen aus Basel II nach langer Diskussion zur Normalität geworden, wird in Fachkreisen über Basel III gesprochen. Die ab dem 01.01.2013 schrittweise in Kraft tretenden Vorschriften (die keinen Ersatz der bisherigen Regeln sondern lediglich eine Ergänzung bedeuten) sind zwar klar an die Kreditinstitute adressiert, aber sie werden deutliche Auswirkungen auf die Unternehmensfinanzierung haben.

Banken müssen künftig etwa ein Drittel mehr Eigenkapital als noch nach Basel II vorhalten. Zudem sind die Anforderungen an die Qualität der Reserve gestiegen. Dieses Kapital ist teuer und wird zwangsläufig Auswirkungen auf die Bepreisung und die Modalitäten von Finanzierungsengagements haben.

Hier im Einzelnen einige Auswirkungen auf die Unternehmensfinanzierung:

  • KMU müssen wegen ihrer mittleren Ratingeinstufung mit höheren Finanzierungskosten oder Anforderungen an Sicherheiten rechnen
  • Risikoreiche Finanzierungen (wie Existenzgründungen, Unternehmensnachfolgen, Innovationen u.ä.) werden wahrscheinlich schwieriger
  • Wegen der Einschränkung der Fristentransformation werden langfristige Kredite ebenfalls schwieriger und teurer

Daraus folgt:

  • Sollte eine langfristige Finanzierung nicht dargestellt werden können, kann der Finanzbedarf durch aufeinanderfolgende kurzfristige Kredite gedeckt werden. 
  • Der Kreditnehmer trägt das Risiko der Konditionenverschlechterung bei der Anschlussfinanzierung
  • langfristiger Kreditfinanzierungsbedarf kann möglicherweise durch eine Optimierung der Eigenfinanzierung reduziert werden, z.B. durch Inanspruchnahme von Beteiligungskapital
  • alternativ empfehlen sich die Förderkredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder der Landesförderinstitute

RATING

Beim Rating ermitteln die Banken die Ausfallwahrscheinlichkeit ihrer Kunden und schätzen so deren Bonität ein. Ein Rating setzt sich grundsätzlich aus den „harten“ (quantitativen, in Geld messbaren) und „weichen“ (qualitativen, das Management und die Wettbewerbsfähigkeit betreffende) Faktoren zusammen. Ebenso wichtig sind für eine Kreditentscheidung aber auch 

  • die Sicherheiten des Kunden,
  • die Geschäftspolitik der Bank und
  • die Kredithöhe.

Da sich der Zusammenhang zwischen Rating und Kreditkonditionen unter Basel III noch verstärken wird, ist es in jedem Fall sinnvoll, sich intensiv mit dem Rating-Prozess auseinanderzusetzen

Die Preisgestaltung richtet sich stark an der Bonität aus.

Auswirkungen

  • vereinzelt können die Covenants (Nebenabsprachen zum Kreditvertrag) verschärft werden
  • die Hausbank erwartet noch mehr Transparenz
  • Kreditlinien werden stärker an den Bedarf angepasst
  • Entgelte für nicht gezogene Kreditlinien könnten erhöht werden

Transparenzanforderungen

  •  Anforderungen der Hausbank sind keine Einbahnstraße
  • auch Sie als Unternehmer sollten Transparenz einfordern:
  • über die Faktoren für die Einschätzung Ihres Unternehmens
  • über den Einfluss dieser Faktoren auf Ihr unternehmensspezifisches Rating-Ergebnis
  • Besprechung möglicher Schwächen und Frage nach Verbesserungsvorschlägen für Ihr Rating

Tipp: Nutzen Sie die Kompetenz eines auf Fragen des Finanzmanagements spezialisierten Unternehmensberaters  zur Optimierung Ihrer Finanzplanung bzw. zur Vorbereitung auf das Bankgespräch!

Eigenkapitalquote

In den letzten zehn Jahren ist die durchschnittliche Eigenkapitalquote der Unternehmen in Deutschland deutlich (von 19 Prozent auf knapp 26 Prozent) gestiegen.

Eine hohe Eigenkapitalquote

  • trägt zum Schutz gegen ausbleibende Gewinne oder gar Verluste bei
  • stellt aus Sicht der Bank eine Absicherung gegen Kreditausfälle
  • ist ein wichtiger Faktor in jeder Rating-Berechnung
  • macht unabhängiger von Fremdkapital
  • vergünstigt die Aufnahme von Krediten.

Sicherheiten

Sicherheiten stellen für die Bank Garantien dar bei Rückzahlungsschwierigkeiten und reduzieren Verluste bei einem möglichen Ausfall. Als Unternehmer können Sie  Personal- oder Sachsicherheiten anbieten.

Personalsicherheit

  • häufigste Form ist die Bürgschaft (Bürge übernimmt die Haftung für Forderungen des Hauptschuldners)

Sachsicherheit

  •  wichtigste Form ist das Grundpfandrecht (der Bank wird ein Pfandrecht an einem Grundstück eingeräumt)

Werthaltigkeit der Sicherheiten

 Sicherheit als Voraussetzung für einen Kredit

  • Je werthaltiger die Sicherheiten,
    => desto geringer sind die Eigenkapitalkosten der Bank
    => folglich die Kosten für die Kreditaufnahme
  • Der Zusammenhang wird mit den Regelungen von Basel III eher noch verstärkt.

 Tipp:

  • Prüfen Sie, was Sie als Sicherheiten zur Verfügung stellen können und wollen
  • Zusätzliche Sicherheiten können in den Kreditverhandlungen helfen, bessere Konditionen zu erhalten.
  • Im Einzelfall kann es sinnvoll sein, wenn Sie bei fehlenden Sicherheiten Ihren Kreditantrag mit der Bürgschaft einer Bürgschaftsbank kombinieren.
  • Überprüfen Sie regelmäßig Ihre gestellten Sicherheiten und klären Sie mit Ihrem Bankberater die Modalitäten für die Freigabe.

LIQUIDITÄTSMANAGEMENT

 Viele Unternehmen nutzen verschiedene Möglichkeiten zur Verbesserung ihres Betriebsmittel- und Liquiditätsmanagements und zur Erhöhung des Liquiditätspolsters:

  • strafferes Mahnwesen gegenüber Ihren Lieferanten
  • Verkürzung von Zahlungszielen
  • Reduktion der eigenen Lagerhaltung
  • Factoring (Verkauf von Forderungen)
    => Mit dieser selbst vorgehaltenen Liquidität lassen sich auch kurzfristig Forderungen ausgleichen, ohne dafür den Kontokorrentkredit in Anspruch zu nehmen.

Tipp:

  • Verhandeln Sie mit Ihrer Bank die Gestaltung der Kontokorrentlinie
  • Reduzieren Sie gegebenenfalls nicht gezogene Linien.
  • KK-Kredite sind als teure Finanzierungsform nur für Ausnahmefälle geeignet.
  • Eine dauerhafte Inanspruchnahme des Kontokorrentkredites ist als Zeichen des zusätzlichen Finanzierungsbedarfes zu sehen.
    =>  Sprechen Sie in diesem Fall rechtzeitig mit Ihrem Bankberater über eine kostengünstigere Umschuldung.

FINANZKOMMUNIKATION

 Schon seit der Einführung von Basel II hat die intensive Finanzkommunikation zwischen Unternehmen und Bank eine hohe Bedeutung gewonnen. Für viele Unternehmer ist sie selbstverständlich geworden, es gibt aber bei anderen noch Verbesserungsbedarf. Mit der neuen Regulierung (Basel III) wird eine enge und stabile Beziehung Ihres Unternehmens zur Hausbank noch wichtiger.

Anforderungen der Bank an den Kreditnehmer

  • Offenlegung der wirtschaftlichen Situation (Vergangenheit und Planungen)
  • wichtigste Entwicklungen in möglichst transparenter Form
  • auch „schlechte“ Nachrichten nicht verbergen
    =>  Je leichter die Bank das wirtschaftliche Risiko der Kreditvergabe beurteilen kann, desto einfacher ist die Kreditentscheidung.

Erwartung des Kreditnehmers gegenüber der Bank

  • plausible Begründung, wie Ihr Rating-Ergebnis zustande kommt
  • Hilfe bei der Wahl der richtigen Finanzierung

Tipp:

  • Nutzen Sie Gespräche mit Ihrem Kundenberater immer, um die Bank von der Qualität Ihres Managements und Ihrer Unternehmensstrategie zu überzeugen.
  • Ihre Bank sollte stets alle bedeutsamen Abläufe in Ihrem Unternehmen nachvollziehen können.

FAZIT – HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN

Das aufgebaute Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Bank ist nach wie vor von hoher Relevanz. Da die Kreditvergabe ein Geschäft auf Gegenseitigkeit ist, wird diese Beziehung von beiden Seiten gestaltet.
Ihnen als Unternehmer bleibt auch mit Basel III die Option erhalten, Kredite bedarfsgerecht zu gestalten und die Konditionen in Ihrem Sinne zu beeinflussen.

 Quelle: Bundesverband deutscher Banken: Folgen von Basel III für den Mittelstand [Oktober 2011]